Die eigene Miniaturwelt leicht gemacht

30 September 2009 von admin Kommentieren »

Seit geraumer Zeit ist unter anderem kurz vor der Tagesschau folgender Werbespot eines bekannten Telekommunikationsunternehmens zu sehen:



Ein interessanter Effekt, dessen Realisierung ungemein zeitaufwendig gewesen sein muss – so dachte ich. Ich stellte mir die Produktion des Spots, naiv wie ich war, ungefähr so vor: Eine Horde unterbezahlter Praktikanten bastelt diverse Miniaturwelten und stattet diese mit Menschen und Fahrzeugen aus. Von diesen Miniaturen werden dann unzählige Fotos gemacht, wobei vor jedem Foto sämtliche Menschen und Fahrzeuge um wenige Zentimeter versetzt werden. Letztlich werden dann die Fotos in einem Videobearbeitungsprogramm hintereinandergelegt und fertig ist der Werbespot. Ein Heidenaufwand und ein Riesenspaß für die unterbezahlten Modellbaupraktikanten, den sie sonst nur einmal im Jahr beim Domino-Day genießen dürften.

Das war natürlich völlig falsch gedacht.

Tatsächlich steckt hinter diesem Effekt die so genannte Tilt-Shift-Photographie. Laienhaft ausgedrückt basiert diese Technik auf dem Neigen [to tilt - kippen, neigen] der Linse, wodurch individuell beeinflusst werden kann, welcher Teil des Bildes scharf gestellt wird. Im Normalfall liegen Sensor, Linse und Objektiv jeweils parallel zueinander und somit befinden sich sämtliche fokussierte Objekte in jeweils gleicher Entfernung zu Sensor, Linse und Objektiv. Wird die Linse geneigt, können Objekte auf einer vom Grad der Neigung bestimmten Linien in den Fokus genommen werden, die nun nicht mehr alle zwangsweise in gleicher Entfernung zu Sensor, Linse und Objektiv liegen müssen. Es wird also eine Ausweitung der Schärferegion erreicht. Darüber hinaus kann der Fokus aber auch so ausgerichtet werden, dass nur ein geringer Bereich scharf erscheint. Dies kann nun unter anderem dazu verwendet werden, fehlende Tiefenschärfe vorzutäuschen. Ein probates Mittel, um dem Bild für das menschliche Auge etwas “Unwirkliches” zu verleihen. Eben so wurde nun auch bei der Produktion des Werbespots vorgegangen.

Der Post trägt die Überschrift “Die eigene Miniaturwelt leicht gemacht”. Wie also kann ich selber aus meinem Garten, meiner Stadt oder einem etwaigen anderen Motiv eine Miniaturszene machen? Vier mehr oder weniger praktikable Möglichkeiten habe ich dafür finden können.

1. Lensbaby

Lensbaby ist professionelles Zubehör, das problemloses Neigen der Linse verspricht. Der Nachteil dieser Möglichkeit liegt auf der Hand, wenn man den Kostenpunkt betrachtet: 270$ sind in meinen Augen trotz des günstigen Dollar für eine solche Spielerei als “teuer” einzustufen.

2. Lensbaby Marke “Eigenbau”

Mit Hilfe einiger Einzelteile (u.a. einer VHS-Kassetten-Box und einem Gummikolben) kann eine Tilt-Linse nachgebaut werden. Eine konkrete Bauanleitung wird in diesem Video präsentiert. Meiner Meinung nach doch eher etwas für absolute Tüftler und Fotografie-Fanatiker, wenngleich sich die Ergebnisse durchaus sehen lassen können, wie ich finde.

3. Digitale Bildbearbeitung

In wenigen Schritten können Besitzer von Photoshop konventionell aufgenommene Bilder in Tilt-Shift-Aufnahmen verwandeln, wie folgendes Tutorial beweist: Fake Tilt Shift.

4. Quick and Dirty: Der Online-Bildprozessor

Auf tiltshiftmaker.com kann mit nur drei Klicks jedes beliebige Motiv in ein Bild im Tilt-Shift-Stil umgewandelt werden.




Folgende Bilder habe ich mit der unter 3. vorgestellten Technik bearbeitet. Es gibt sicherlich geeignetere Motive, aber ich denke, die Wirkung ist erkennbar da:

  • Stadion
  • Häuser
  • Landschaft

Ich hoffe, ich konnte eure Neugier wecken und animieren, sich näher mit der Thematik zu beschäftigen oder einfach nur ein wenig rumzuprobieren. Bedanken möchte ich mich an dieser Stelle bei Wikipedia für die schnelle Einführung in das Thema und bei denjenigen Mitgliedern von PSD-Tutorials, durch die ich auf die Seiten aufmerksam geworden bin, auf die ich oben verweise.

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